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Krankekassenbürokraten als Rationierer
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PR
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Anmeldungsdatum: 28.03.2005
Beiträge: 2645
Wohnort: Lörrach

BeitragVerfasst am: 09.01.10, 13:37    Titel: Krankekassenbürokraten als Rationierer Antworten mit Zitat

23 Jahre, jetzt zweiter Freund, der erste hatte das HPV wohl mitgebracht. Seit zwei Jahren immunsuppressive Therapie bei rheumatischer Erkrankung, seitdem auffällige Kolposkopie und dysplastische Abstriche ohne Besserung oder Verschlechterung.

Nach zwei Jahren ohne Abheilen stell ich solche Patientinnen beim Spezialisten vor. Der nächste meines Vertrauens ist sechzig Kilometer weiter. Der bestätigt normalerweise meine Befunde, knipsbiopsiert und typisiert. Resultat hier: CIN I-II mit Hochrisiko-HPV. Lasertherapie in den nächsten Monaten empfohlen. Aber das lehnt jede Krakenkasse ab, steht nicht im Leistungskatalog, da steht nur die uralte normale Messerkonisation.

Macht nix, wenn das teurer ist und wegen Nachblutungsrisiko nur stationär geht. Macht nix, wenn das ungleich aggressiver ist und das Risiko erheblich steigert, entweder gar nicht schwanger zu werden oder eine Frühgeburt zu kriegen.
Macht nix, wenn medizinische Fachgesellschaften für genau die geschilderte Situation Laser zum Standard erklären.
Macht nix, wenn im Sozialgesetzbuch gelogen wird, es gäbe auf Kasse sachgerechte Standardmedizin für alle.
Macht nix, wenn das jetzt unbehandelt bleibt, weil die Gute, arbeitsunfähig und entlassen, jetzt kein Geld für Privatversicherung oder fürs Selberzahlen hat.
Macht alles nix, sagen die Kranken Kassen, denn, was wir zahlen müssen, das beschließt landesweit eine hochbezahltes Zentralkommittee. Punkt.
Macht alles nix, sagen Staatssekretärinnen hier im Forum. Die geldgeilen Doktors machen eh völlig unnötige Abstriche, einer alle drei Jahre reicht auch, und Ärzte brauchts dafür nicht.


Tja. Also brauchts jetzt die Ärzte halt dafür, einem cerlina wieder mal zu zeigen, wo denn im System der Kassengesundheitsfürsorge die Solidarität sitzt. Oder dem hochbezahlten Zentralkommittee, wo die sachliche Kompetenz. Oder den Kranken Kassen, wo die Pharisäer und Schriftgelehrten.

PR
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Kalli
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Anmeldungsdatum: 15.01.2007
Beiträge: 203
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 09.01.10, 14:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, PR!
Schlimm, da gebe ich Ihnen recht.
Aber, wie kommt so etwas zustande? Da brauchen Sie nur mal hier im Forum mitzulesen.
Junger Mann hat Beschwerden unklarer Natur. Liest im Internet...kann nur MS sein. Geht zum Hausarzt, zu mehreren Neurologen, ins Krankenhaus. Alle sagen da ist nix. Der junge Mann ist panisch, rennt zu weiteren Ärzten, liest wieder im Internet, findet die nächste Krankheit, das Spiel beginnt von vorne. Schreibt hier und in weiteren Foren um Hilfe.
Da melden sich weitere Menschen...alle haben ähnliche Krankheiten und Erfahrungen, rennen von einem Arzt zum nächsten, präsentieren dem eine fertige Diagnose und wollen sofort geheilt werden. Wenn der Arzt nichts findet ist er ein Nichtskönner....und das Spiel geht weiter.... Böse

Es ist traurig, das es viele Menschen gibt, die den Ärzten nicht mehr vertrauen; noch trauriger, wie viele besonders junge Menschen es gibt, die bereits vollkommen ausgebrannt und krankheitsbereit sind. Und das kostet und fehlt woanders...
Ist in Ihrem Fall aber trotzdem keine Entschuldigung. Kalli
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cerlina
Gast






BeitragVerfasst am: 09.01.10, 14:46    Titel: Antworten mit Zitat

PR hat folgendes geschrieben::
Also brauchts jetzt die Ärzte halt dafür, einem cerlina wieder mal zu zeigen, wo denn im System der Kassengesundheitsfürsorge die Solidarität sitzt

Nach wie vor einer cerlina.Was diesen Fall angeht, haben Sie sicher recht. Frag mich jedoch, was das mit Solidarität zu tun hat? Was sagt uns denn dieser Fall? Dass die Gesundheitsversorgung mitunter stark vom Geldbeutel der Patienten abhängt - schon lange bekannt. Durch die weitere Privatisierung der Krankenversicherung ist dieser Patientin allerdings ganz sicher auch nicht geholfen. So what?
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PR
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Anmeldungsdatum: 28.03.2005
Beiträge: 2645
Wohnort: Lörrach

BeitragVerfasst am: 09.01.10, 19:24    Titel: Dieser Fall sagt m i r , Antworten mit Zitat

dass es in persönliche Katastrophen mündet,

wenn diejenigen das Sagen haben, die bloß Versprechungen zu machen brauchen
und diejenigen nichts, die imstande wären, diese Versprechungen zu erfüllen.

Was dies hier mit Solidarität zu tun hat ?
Der KassenSoFa schreibt über den Fall nix hier im Internet.

PR
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cerlina
Gast






BeitragVerfasst am: 09.01.10, 23:00    Titel: Antworten mit Zitat

PR hat folgendes geschrieben::
wenn diejenigen das Sagen haben, die bloß Versprechungen zu machen brauchen
und diejenigen nichts, die imstande wären, diese Versprechungen zu erfüllen

Wer sollte denn das Sagen haben und wäre imstande Versprechen zu erfüllen? Ärzte? Mit einem Arzt als Gesundheitsminister doch die besten Voraussetzungen - ihre Wünsche werden erhört. Dumm nur, dass sich ausreichende medizinische Versorgung weiterhin nur diejenigen werden leisten können, die dies zuvor auch schon konnten. Allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass die weniger zahlungskräftige Patientin zukünftig noch mehr zur Kasse gebeten wird. Wie war das nochmal mit der Solidarität?
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PR
DMF-Mitglied
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Anmeldungsdatum: 28.03.2005
Beiträge: 2645
Wohnort: Lörrach

BeitragVerfasst am: 16.01.10, 19:05    Titel: Wer sollte denn das Sagen haben Antworten mit Zitat

was er will: der Patient
was er kann: der Arzt
was sie zahlt: die Kasse oder Versicherung

wobei bei der Kasse der Staat mitredet und bei der Versicherung der Patient, solange er noch keiner ist.

So einfach kann die Welt sein.

PR
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d-i-n
Gast






BeitragVerfasst am: 27.01.10, 13:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo PR,

bei dem von Ihnen geschilderten Einzelfall ist die Entscheidung der GKV sicher bedauerlich und nicht verständlich, Insgesamt spricht mir aber @kalli mit seinem Beitrag aus der Seele!!!

Ein immens kostentreibender Faktor im Gesundheitssystem (egal ob GKV oder PKV) ist der Patient selbst. Die Zahl der Arztbesuche steigt ständig an, 2008 besuchte im Schnitt jeder Deutsche 18 mal einen Arzt (wobei 92% der Deutschen in diesem Jahr beim Arzt waren). Da frage ich mich schon, ob der Deutsche kränker ist, als die anderen Westeuropäer (die fast alle viel seltener den Arzt aufsuchen) oder woran es liegt???

Und daß die Anzahl der Arztbesuche auch die Kosten hochtreibt, ist trotz Kostendeckelung über die Hausarztpauschalen halt Fakt.

Zu diesem Thema sollten endlich mal vernünftige Studien erstellt werden und daraus Maßnahmen zum Gegensteuern entwickelt werden!

Daß es auch die Mentalität einiger Patienten ist, wegen jedem Pille-Palle den Arzt aufzusuchen ist eine Beobachtung, die ich aus über 20-jähriger Berufserfahrung mit einbringe. Ich halte auch gar nicht unbedingt die alten und wirklich kranken Patienten für die Kostentreiber, sondern meiner Beobachtung nach wächst in den Generationen der unter 40-Jährigen eine große Gruppe junger Hypochonder heran, die wirklich wegen jedem Pickel oder kleinen Unwohlsein zum Arzt rennen bzw. ihre Kinder da hin schleppen.

Das fiel mir bereits Anfang der 90ger Jahre auf, da hab ich im Krankenhaus gearbeitet und mal eine Statistik gemacht über die jährlich 1.100 Patienten, die von sich aus in den Nachtdiensten "zu Fuß" unsere Innere Abteilung aufsuchten, weil sie irgendwelche "Leiden" hatten. Pflegepersonal und Ärzte hat das damals tierisch genervt, daß wir neben der stationären Patientenversorgung dauernd auch noch diese Patienten ansehen mussten, denn das Krankenhaus hatte gar keine Kassen-Zulassung für Ambulanzpatienten und die waren im Stellenschlüssel nicht berücksichtigt.
Eine spätere Klinik in Hamburg hat das viel "schlauer" gemacht, die haben die Patienten nämlich nur untersucht, wenn sie sich stationär aufnehmen liessen, sonst mussten sie "auf eigene Verantwortung" zum hausärztlichen Notdienst gehen. Und ein Krankenhaus-Tagessatz für einen harmlosen Wespenstich oder Kopfweh war natürlich leichtverdientes Geld!

In meiner "Studie mussten unter 1 % der Ambulanten stationär aufgenommen werden, da überwiegend harmlose Bagatellerkrankungen vorlagen (Kopfweh, Rückenschmerzen, "Herzstolpern", Schwindel, Fieber bei Erkältung...). Auffällig war der Altersdurchschnitt und die Verteilung der Nationalitäten. 40% der Ambulanten hatten Migrationshintergrund (Ausländeranteil in Stuttgart damals 23%). Der Altersdurchschnitt war extrem niedrig, bei den Ausländern 31 Jahre, bei den Deutschen 42 Jahre. Das ist eine Altersgruppe, die eigentlich (von Unfällen und Befindlichkeitsstörungen abgesehen) noch sehr gesund ist.

Bei so jungen Patienten kommt es dann beim jetzigen System m.E. im Zusammenspiel mit einigen "wirtschaftlich interessierten" Hausärzten und auch Kliniken zu einer völligen Fehlentwicklung, was die Diagnostik und Therapie betrifft. Ich kreide das diesen Kollegen auch sehr an... durch seinen Wissensvorsprung kann der Arzt dem unkritischen Patienten gegenüber meist jede Untersuchung rechtfertigen.

Diese Patienten werden diagnostisch durch die Mangel gedreht und viel zu viele, völlig überflüssige Untersuchungen gemacht. Der Patient wehrt sich nicht, der Hypochonder scheint geradezu erfreut, daß jetzt mal "richtig gründlich" gesucht wird. Schließlich hat er im Internet und diversen Zeitschriften recherchiert und findet zu seinem Symptom absolute Horrorszenarien, was das alles sein könnte (daß in 99% dieses Symptom Ausdruck einer völlig harmlosen Bagatellerkrankung ist, überliest er geflissentlich!).

Kommt dann (erwartungsgemäß!) bei all den Untersuchungen nichts Krankhaftes raus, ist der Patient extrem unzufrieden! Er fühlt sich ja jetzt totkrank oder mußte mehrere Tage im Krankenhaus verbringen ("das hätten die doch nicht für nötig gefunden, wenn ich nicht schwerkrank wäre!!!!), ließ unzählige Untersuchungen über sich ergehen... da muß doch irgendwas sein, die Ärzte haben es nur noch nicht gefunden... und dann sind wir bald bei einer jahrelangen, kostenintensiven Ärztehopping-Karriere mit intensiver Selbstbeobachtung bei rein psychosomatischen Krankheitsbildern!

Kleines Beispiel: Hyperventilation (zu schnelles Atmen, meist bei psychischer Erregung). Ist völlig harmlos, wird aber gerne zur "Krankheit" gemacht, also Valium gespritzt, statt (was mehr Zeit kostet), den Patienten über die Ursachen aufzuklären und ihm eine Selbstbehandlung mittels Rückatmung über eine schlichte Plastiktüte beizubringen, mit der er sich in Zukunft selbst behandeln kann. Die meisten Valium-Behandelten sind fixiert darauf, daß nur der Arzt bzw. eine Spritze ihnen helfen kann und holen in Zukunft jedes Mal den Rettungsdienst...

Hier im Forum finden sich massenhaft solcher "Krankheitskarrieren bei Gesunden", wie @kalli das schon anschaulich geschildert hat. Hier mal beispielhaft ein aktueller Thread

[Link editiert, AJ]

Die Frau hat mit 26 Jahren bereits 3 Kinder (das letzte wohl erst 10 Monate alt), raucht und hat starkes Übergewicht. Sie macht neben der Familienarbeit noch Fachabitur. Seit 4 Wochen hat sie eine leichte Erkältung. Ihre Beschwerden sind absolut klassisch für eine Überlastungsreaktion mit Hyperventilation und daraus folgendem Schwindel, der ihr das Gefühl "gleich zu kollabieren" verursacht.
Der zunächst aufgesuchte Hausarzt sieht im EKG eine Veränderung (inkompl.RSB), die ihn zur Verdachtsdiagnose einer Lungenembolie verleitet (da fehlen weitere EKG-Veränderungen und klinische Symptome, aber der ging halt auf "Nummer sicher"), woraufhin er die Patientin in die Notaufnahme einer Klinik einwies. Dort wurde interessanterweise keinerlei Diagnostik speziell zur Lungenembolie gemacht, nur die Lunge geröngt, körperlich untersucht plus eine weitreichende Labordiagnostik, dann wurde sie heimgeschickt mit den Diagnosen "Erkältung und Fast-Kollaps".

Spätestens da wäre für mich absolut Ende gewesen mit Diagnostik, aber Patientin und/oder Hausarzt ließen nicht locker... sie ging nochmal 3 Tage in eine Klinik zur "kardiologischen Abklärung", diese Untersuchungen hätte man alle problemlos ambulant durchführen können, was einen Bruchteil der stationären Kosten verursacht hätte!

In der Klinik wurden in drei Tagen ganze sechs Untersuchungen durchgeführt: Ruhe-EKG, Langzeit-EKG, Langzeitblutdruckmessung und zwei sehr teure Spezial-Untersuchungen, die eigentlich nur bei einem konkreten Verdacht auf sehr seltene Krankheitsbilder indiziert sind. Eine aufwendige Kipptischuntersuchung

http://www.netdoktor.de/Krankheiten/Niedriger-Blutdruck/Diagnose/Niedriger-Blutdruck-Kipptisch-5761.html"]
sowie ein Orthostase-Test
http://www.imd-oderland.de/arzt-funktionsteste-orthostase.htm"]Orthostase-Test.
Dazu eine weitere, in meinen Augen völlig unnötige EEG-Untersuchung, die nur bei konkretem Verdacht auf Epilepsie indiziert ist. Später wurde dann ambulant sogar noch ein MRT (Magnetresonanztomographie) des Gehirns angefertigt, ohne daß irgendein Verdacht auf eine Hirnerkrankung bestand (ein Hirntumor ist eine der seltensten Ursachen für Schwindel!).

Alle Befunde waren (erwartungsgemäß) völlig unauffällig bis auf die Harnsäure, über welche die Patientin sich jetzt tierisch den Kopf zerbricht (ist bei Übergewichtigen meist erhöht durch fett- und fleischreiche Ernährung) und das minimal erhöhte Calzium, das bei einer Kontrolle vermutlich normal wäre. Die Symptome wurden als psychosomatisch deklariert, was ich für richtig halte.

Die Patientin ließ das nicht auf sich beruhen, ließ noch einen Borreliose-Test machen und beim HNO-Arzt sowie Orthopäden weitere kostenintensive Untersuchungen. Der Hausarzt hat ihr jetzt ein Asthma-Spray verschrieben...

Diese Frau hat dank unseres unkontrollierten Systems mehrere tausend Euro gekostet und wird vermutlich eine langjährige weitere Arztkarriere hinlegen. Als nächstes rennt dsie sicher noch zum Pulmonologen, weil sie aus dem Salbutamol-Spay schliesst, daß sie Asthma hat. Mit den Augen rollen

Was hätte ich als Hausarzt gemacht? Ein ausführliches Gespräch über ihre häusliche Belastungssituation und Sorgen, den Rat, abzunehmen, Rauchen aufzuhören, 2 mal die Woche ein leichtes Ausdauertraining (2x30 min Fahrradfahren, Schwimmen oder Walking) zu absolvieren und sich Ruhepausen im Alltag für sich selbst zu verschaffen. Je nach häuslicher Situation hätte ich mich vielleicht auch um eine Mutter-Kind-Kur für sie bemüht. Ich bin mir 100% sicher, der Frau hätte man helfen können... mit einfachen und preiswerten Mitteln und mit etwas Zeit. Aber genau diese Zeit wird einem Hausarzt eben nicht bezahlt und das ist einer der ganz immanenten Fehler unseres Systems, egal ob GKv oder PKV!!!

Zweites Beispiel: akute Gastroenteritis (Durchfall+Erbrechen). Selbst während meiner Angestelltentätigkeit häufig in der Praxis erlebt. Patient hat seit morgens Erbrechen und Durchfall, kein Fieber, geht nachmittags zum Hausarzt, um sich eine Krankschreibung zu hole. Hausarzt schreibt ihn eine Woche krank (im Schnitt ist die Gastroenteritis nach 1-3 Tagen weg!), verschreibt Immodium und Paspertin sowie eine Überweisung zum Internisten zur "weiteren Abklärung". Am nächsten Tag ist der Patient (dem es schon wieder etwas besser geht) beim Internisten. Dort werden "routinemäßig" folgende Untersuchungen gemacht (kursiv meine Meinung dazu):

Blutabnahme, natürlich die volle Latte von Entzündungsparametern bis Leber- und Gallenwerten, dazu die teuren Schilddrüsenwerte, weil eine Überfunktion ja Durchfall machen kann, die teuren Eiweißwerte, weil Durchfall ja den Eiweißhaushalt durcheinanderbringen kann usw. (völlig entbehrlich, da kommt wegen des kurzen Krankheitsverlaufes eh nichts raus). Dann wird Ultraschall der Bauchorgane gemacht (da sieht man wegen der durchfallbedingten Blähungen sogut wie gar nichts...nur die Nieren, an denen sich sicher eine kleine Zyste finden lässt, die sich zur halbjährlichen Kontrolluntersuchung eignet, um festzustellen, ob sie wächst 50% der Frauen haben Nierenzysten ohne Krankheitswert! ), eine Magenspiegelung mit Biopsien (in denen sich meistens nichts, allenfalls eine "unspezifische Entzündung" findet) und eine Enddarmspiegelung, die eine leicht gereizte Schleimhaut oder gar nichts erbringt -oder im Besten Falle (für den Internisten!!!) eine kleine, harmlose Ausstülpung (Divertikel) , wegen der man natürlich später eine komplette Dickdarmspiegelung machen muß, ob da woanders auch noch welche sind... . Der arme Patient geht völlig gerädert nach Hause mit der Empfehlung "Tee und Zwieback" und -oh Wunder!!!- nach1-2 Tagen ist er wieder gesund! Genauso gesund, wie er es ohne die Arzneimittel und Untersuchungen geworden wäre... nur seine GKV ist jetzt um ein paar hundert Euro ärmer/kränker.

Weiteres Beispiel: Meine Mutter (83 Jahre, geistig topfit!) wurde nach einem häuslichen Sturz mit großer Kopfplatzwunde durch die Mangel gedreht (leider hat die Klinik weder meinen Bruder, der auch Arzt ist, oder mich benachrichtigt). Sie hatte keinerlei neurologischen Zeichen einer Commotio, dennoch CT, darin ein verdächtiger Herdbefund -> Kontrastmittel-MRT, darin Zufallsbefund eines kleinen Meningeoms, daß keinerlei klinische Beschwerden oder Symptome verursacht. Irgendeine therapeutische Konsequenz hätte es aufgrund des hohen Alters eh nicht gegeben... Nun hatte sich aber eine vorbestehende, leichte (altersbedingte) Niereninsuffizienz durch die Kontrastmittelgabe so verschlechtert, daß sie noch weitere 3 Tage stationär kaserniert wurde, um täglich einmal die Nierenwerte zu überprüfen... Desweiteren wurde eine halbjährliche MRT-Kontrolle des Meningeoms empfohlen, die völlig schwachsinnig ist, weil das Dingens im Alter vermutlich eh kaum wächst und wenn doch, keinerlei weiteren Maßnahmen daraus folgen würden. Natürlich macht meine Mutter auf Anraten meines Bruders und mir diese Kontrollen nicht -ein "Normalo-Patient würde es vermutlich brav tun!

Was ich sagen will ist, daß unser System echt krank ist! Das Zusammenspiel übermäßig "leidender" und fehlinformierter (Internet!) Patienten mit unethisch agierenden oder bei ethischem Agieren oft schlicht nichts mehr verdienenden Ärzten/Kliniken ist m.E. ein ganz gewaltiger, kostentreibender Faktor.

Aber wie die Bremse treten?

Ich bin kein Gesundheitsökonom, würde aber z.B. mehr Kontrollen seitens der Krankenkassen ansetzen, was Diagnostik und Therapie angeht. Das ist aber vermutlich aus Datenschutzgründen nicht möglich und die Patienten würden schreien, daß die bööööse Krankenkassen ihnen lebensnotwendige Untersuchungen verweigert.... Kein Mensch würde sein Auto in die Werkstatt bringen und sagen "es klappert, finden sie mal raus, was es ist und reparieren sie, was nötig ist, egal was es kostet". Genau mit dieser Mentalität gehen aber in Deutschland Patienten zum Arzt und die Ärzte nutzen das teils schamlos aus!

Bei sehr vielen Leitsymptomen und Krankheiten gibt es dezidierte Leitlinien, was die Diagnostik und Therapie betrifft. Das sind wissenschaftlich fundierte Schemata, in denen nach Wahrscheinlichkeit und Untersuchungsergebnis ein "Diagnostik-oder Therapieschema" abläuft. Diese Leitlinien sind zwar nicht ganz unkritisch zu sehen, da auch Erfahrung und diagnostischer Blick des Arztes dabei wichtig sind, ich halte sie aber für eine gute Grundlage, um Überdiagnostik und -therapie einzudämmen.
Hier wäre ein Ansatz, die niedergelassenen Ärzte und Kliniken zu verpflichten, bei klaren Leitsymptomen gemäß der Leitlinien zu untersuchen und zu behandeln, Ausnahmen mit erweiterter Diagnostik (wie bei der exemplarischen jungen Mutter oben) müssten seitens des Behandlers begründet werden.

In der Diabetes-Behandlung mit sehr guten, dezidierten Leitlinien klappt das übrigens ausgezeichnet, auch die Hypertonie-Leitlinien setzen sich langsam durch.

just my 2 Cents...

Gruß von doc-in-not Winken


Zuletzt bearbeitet von d-i-n am 27.01.10, 20:24, insgesamt 1-mal bearbeitet
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Damiana
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DMF-Mitglied



Anmeldungsdatum: 28.02.2009
Beiträge: 2157

BeitragVerfasst am: 27.01.10, 14:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Kleine Anmerkung bevor ich Mittagessen gehe:
doc-in-not hat folgendes geschrieben::
Ein immens kostentreibender Faktor im Gesundheitssystem (egal ob GKV oder PKV) ist der Patient selbst.

viele richtige Ansatzpunkte... nur: kein Patient ordnet eine Untersuchung selbst an(!), vielleicht verlangt er sie, mehr aber kann er nicht. Dass Ärzte solche Untersuchungen (wider besseren Wissens?) trozdem machen ist teilweise verständlich dass Patienten solche Untersuchungen einfordern ist teilweise auch verständlich (und mögliche Gründe nennen Sie ja auch).

Noch eine Frage zum Schluss: Wollte Ihre Mutter das CT Winken ?

MfG Damiana
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d-i-n
Gast






BeitragVerfasst am: 27.01.10, 14:56    Titel: Antworten mit Zitat

Damiana hat folgendes geschrieben::
nur: kein Patient ordnet eine Untersuchung selbst an(!), vielleicht verlangt er sie, mehr aber kann er nicht. Dass Ärzte solche Untersuchungen (wider besseren Wissens?) trozdem machen ist teilweise verständlich dass Patienten solche Untersuchungen einfordern ist teilweise auch verständlich (und mögliche Gründe nennen Sie ja auch).


Verständlich sicher, aber ist es deshalb auch nötig und zu billigen, wenn es immense Kosten verursacht???

Zitat:
Noch eine Frage zum Schluss: Wollte Ihre Mutter das CT Winken ?


Meine Mutter war nicht bewußtlos (sie hat direkt nach dem Sturz ein Telefonat angenommen, wegen dessen sie schnell aufgesprungen war), hatte aber eine große Skalpierungsverletzung der Calotte. Die Blutung brachte sie selbst durch Druck zum Stehen, dann hat sich per Taxi ins Krankenhaus bringen lassen, weil sie wusste, daß die Verletzung nahtbedürftig ist. Dort war sie baff erstaunt, daß sie stationär aufgenommen und so viele Untersuchungen durchgeführt wurden (CT wohl sofort). Sie ist aber (leider) ein Mensch, der bei entsprechend vehement vorgebrachten "Befehlen" nicht widerspricht, da sie davon ausgeht, daß die Ärzte für sie richtige Entscheidungen fällen.

Ihr "Notfall-Handy" mit den eingespeicherten Tel.nummern von uns (mein Bruder und ich wohnen über 700 km entfernt) hatte sie daheim liegen lassen, weil sie dachte, sie fährt ja nach dem Nähen gleich wieder heim. Ich war zu dieser Zeit auch im Ausland in Urlaub. Man versprach ihr dann, sie dürfe am nächsten Tag heim, daher hat sie sich aus Sparsamkeit keinen Telefonanschluss ans Bett legen lassen.

Als sie dann meinen Bruder endlich benachrichtigte, waren CT und MRT schon gelaufen.

Der Wissende wird den Grund für diese Überdiagnostik schon ahnen Mit den Augen rollen ...meine Mutter ist Privatpatientin! Winken
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cerlina
Gast






BeitragVerfasst am: 27.01.10, 15:04    Titel: Antworten mit Zitat

doc-in-not hat folgendes geschrieben::
Die Zahl der Arztbesuche steigt ständig an, 2008 besuchte im Schnitt jeder Deutsche 18 mal einen Arzt (wobei 92% der Deutschen in diesem Jahr beim Arzt waren)

Vielleicht fragt man sich auch mal, weshalb die Arztbesuche zunehmen? Sind die Patienten wirklich so anspruchsvoll geworden oder fühlen sie sich zunehmend von Ärzten nicht mehr für voll genommen? Wie oft kann man denn auch hier im Forum lesen, dass Patienten mit Beschwerden zum Arzt gehen und der Arzt nur vertröstet. Ganz zu schweigen davon, dass immer mehr Verordnungen inzwischen durch Selbstzahler-Rezepte vom Patienten selbst getragen werden oder zumindest Zuzahlungen erfolgen. Dazu gehen immer mehr Firmen dazu über, für jeden einzelnen Krankheitstag ein ärztliches Attest einzufordern. Vielleicht sollte man sich viel eher darüber Gedanken machen, wie Arztbesuche effizienter gestaltet werden könnten.

doc-in-not hat folgendes geschrieben::
Kommt dann (erwartungsgemäß!) bei all den Untersuchungen nichts Krankhaftes raus, ist der Patient extrem unzufrieden! Er fühlt sich ja jetzt totkrank oder mußte mehrere Tage im Krankenhaus verbringen ("das hätten die doch nicht für nötig gefunden, wenn ich nicht schwerkrank wäre!!!!), ließ unzählige Untersuchungen über sich ergehen... da muß doch irgendwas sein, die Ärzte haben es nur noch nicht gefunden... und dann sind wir bald bei einer jahrelangen, kostenintensiven Ärztehopping-Karriere mit intensiver Selbstbeobachtung bei rein psychosomatischen Krankheitsbildern!

Entschuldigung, aber da kommt mir echt die Galle hoch! Ich selbst bezeichne mich inzwischen als Ärztehopper, das obwohl mich 7 Jahre lang kein einziger Arzt (außer Vorsorgeuntersuchungen) zu Gesicht bekommen hat und ich - nach Meinung der meisten Ärzte - unter psychosomatischen Störungen leide. Denken Sie allen Ernstes Patienten haben nichts besseres zu tun als von Arzt zu Arzt zu laufen, sich blöde Kommentare anzuhören und mitleidig belächeln zu lassen!
(Wieso gibt's hier immer noch kein Kotze-Smilie?)

doc-in-not hat folgendes geschrieben::
Ich kreide das diesen Kollegen auch sehr an... durch seinen Wissensvorsprung kann der Arzt dem unkritischen Patienten gegenüber meist jede Untersuchung rechtfertigen.

Die Zeiten sind doch schon längst vorbei - das war einmal, als der Arzt jede einzelne Leistung vergütet bekam. Inzwischen gibt es Fallpauschalen und je weniger der Arzt unternimmt, umso mehr bleibt davon hängen.

doc-in-not hat folgendes geschrieben::
Hier im Forum finden sich massenhaft solcher "Krankheitskarrieren bei Gesunden"

Als Arzt sollten Sie wissen, dass solche Ferndiagnosen weder erlaubt noch hilfreich sind.
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Humungus
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied



Anmeldungsdatum: 10.09.2007
Beiträge: 1841

BeitragVerfasst am: 27.01.10, 16:00    Titel: Antworten mit Zitat

doc-in-not hat folgendes geschrieben::
Der Wissende wird den Grund für diese Überdiagnostik schon ahnen ...meine Mutter ist Privatpatientin!
Oder die Ärzte hatten schlicht Angst, verklagt zu werden und sich stundenlang mit Berichten herumzuschlagen, weil dann doch etwas übersehen wurde. Also: die volle Latte, denn nein sagen kann ins Auge gehen.

cerlina hat folgendes geschrieben::
Die Zeiten sind doch schon längst vorbei - das war einmal, als der Arzt jede einzelne Leistung vergütet bekam. Inzwischen gibt es Fallpauschalen und je weniger der Arzt unternimmt, umso mehr bleibt davon hängen.
Ach, diese Zeiten sind doch auch schon längst vorbei. Inzwischen ist das Budget derart lächerlich niedrig, dass auch die "Verdünnerscheine" irgendwann einmal für lau laufen.

Mein Budget ist bereits jetzt für dieses Quartal zu fast 50 Prozent voll. Nach vier Wochen! Und? Was nutzen mir "Verdünnerscheine"?

Ich entschuldige mich ausdrücklich dafür, dass so viele Patienten zu mir wollen!
_________________
Ein Augenarzt behandelt einen Patienten das ganze Quartal über für 18 Euro, das ist sein Budget. Und kommen zu viele Patienten, zahlt er noch drauf. DAS ist heutige Gesundheitspolitik.
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d-i-n
Gast






BeitragVerfasst am: 27.01.10, 20:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Forum,

die Anregung von @humungus, daß ein Teil der Überdiagnostik auch aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen stattfindet, ist sehr sinnvoll.

Wenn man sich aber die jährlich veröffentlichte Statistik der Bundesärztekammer, bei der etwa ein Viertel der „Behandlungsfehlervorwürfen“ gutachterlich beurteilt wird, ansieht http://www.baek.de/downloads/Behandlungsfehler_Gesamtstatistik_Stand_110609.pdf,
ist die übermäßige Angst von Hausärzten/ Internisten, einen Behandlungsfehler zu begehen, nicht gerechtfertigt, da in diesen Fachgebieten eher wenige Fälle mit Bestätigung eines ärztlichen Fehlers eintreten.

70% der Fälle kommen aus dem Bereich Klinik (dort hoher Anteil im Bereich Chirurgie), nur 30% aus dem Niedergelassenen-Bereich (davon 20% bei Hausärzten, 9% bei Internisten).

Unter den häufigsten 10 fehlbehandelten Erkrankungen im ambulanten Bereich steht an erster Stelle der Brustkrebs (38 Fehlbehandlungen), gefolgt von Rückenschmerzen (21 Fehlbehandlungen), die nächsten 8 Diagnosen sind gemischt, den Hausarzt betreffend vielleicht noch die Blinddarmentzündung (13) und Kniearthrose (13).

Bei über 7.100 Verfahren, in welchen vom Patienten ein Behandlungsfehler vorgeworfen wurde, erbrachten über 70% der Gutachten, daß kein Fehler vorlag. Bei den 30% ( knapp 2.100) Patienten mit bestätigten Diagnostik- oder Behandlungsfehlern (da sind auch versäumte Risikoaufklärungen mit drin) war in knapp 400 Fällen kein Zusammenhang zwischen Behandlungsfehler und geklagtem, erlittenem Schaden nachweisbar. Bei fast 1.700 Patienten gab es einen Zusammenhang, wobei etwa 700 Patienten keine bleibenden Schäden erlitten.

Natürlich ist jeder Behandlungsfehler ein schlimmer Fehler zuviel zulasten eines Patienten und sollte unbedingt vermieden werden, keine Frage!!! Aber eine übersteigerte Angst vor Behandlungsfehlern sollten Ärzte doch lieber mit Weiterbildung zum Erwerb von Fachkompetenz und nicht mit ängstlicher Überdiagnostik beantworten, oder?

cerlina hat folgendes geschrieben::
]Vielleicht fragt man sich auch mal, weshalb die Arztbesuche zunehmen?


Genau wegen dieser Frage bzw. meiner Meinung, daß diese Frage dringenden Klärungsbedarf hat (hier sollten die Krankenkassen endlich aktiv werden!!!) habe ich mein Posting doch geschrieben.

Aber Sie, Cerlina, haben ja die Antwort ja auch ohne wissenschaftliche Untersuchung parat, nach ihrem scheinbar eingefahrenen, verallgemeinernden Denkschema „armer, unschuldiger Patient –böser, geldgieriger Arzt!"

cerlina hat folgendes geschrieben::
Sind die Patienten wirklich so anspruchsvoll geworden oder fühlen sie sich zunehmend von Ärzten nicht mehr für voll genommen? Wie oft kann man denn auch hier im Forum lesen, dass Patienten mit Beschwerden zum Arzt gehen und der Arzt nur vertröstet. Ganz zu schweigen davon, dass immer mehr Verordnungen inzwischen durch Selbstzahler-Rezepte vom Patienten selbst getragen werden oder zumindest Zuzahlungen erfolgen. Dazu gehen immer mehr Firmen dazu über, für jeden einzelnen Krankheitstag ein ärztliches Attest einzufordern. Vielleicht sollte man sich viel eher darüber Gedanken machen, wie Arztbesuche effizienter gestaltet werden könnten.


Ich habe den Eindruck, daß Sie den Sinn meines Postings und daß ich mich damit auch explicit hinter die Patienten und deren Belange stelle, gar nicht erfasst haben, sondern sich von einzelnen Schlagworten, die Sie herauslesen, sofort angegriffen fühlen!

Wenn Sie bei ihrer Meinungsbildung z.B. dieses Forum hier als RealLife und repräsentativen Querschnitt der von Ihnen pauschal gemutmaßten Patientenunzufriedenheit betrachten, verkennen Sie die Realität. Ein zufriedener Patient, der sich vom Hausarzt gut informiert und betreut fühlt, hat nämlich keinen Bedarf, sich in einem Forum mit hohem Prozentsatz von „Laien-Beratern“ seine Kenntnisse zu besorgen.

cerlina hat folgendes geschrieben::
Entschuldigung, aber da kommt mir echt die Galle hoch! Ich selbst bezeichne mich inzwischen als Ärztehopper, das obwohl mich 7 Jahre lang kein einziger Arzt (außer Vorsorgeuntersuchungen) zu Gesicht bekommen hat und ich - nach Meinung der meisten Ärzte - unter psychosomatischen Störungen leide. Denken Sie allen Ernstes Patienten haben nichts besseres zu tun als von Arzt zu Arzt zu laufen, sich blöde Kommentare anzuhören und mitleidig belächeln zu lassen!


Wie alt sind sie denn und welche Krankheit haben Sie Ihrer Meinung nach? Warum sind Sie der Meinung, daß die meisten Ihrer behandelnden Ärzte mit der Diagnose einer psychosomatischen Erkrankung bei Ihnen falsch liegen? Warum ist die Erklärung, daß bei vermutlich unauffälligen körperlichen Befunden eine psychische Ursache Ihnen Ihre Beschwerden verursachen könnte, für Sie nicht vorstellbar? Ist in Ihren Augen eine Erkrankung nur bei fassbarer körperlicher Ursache eine „akzeptable“ Erkrankung? Haben Sie denn schon einmal versucht, eine psychosomatische Heilbehandlung zu machen, statt viel Zeit und Mühe beim Ärztehopping zu verbringen?
Können Sie versuchen, sich mal unvoreingenommen darauf einzulassen, daß Ihre Ärzte vielleicht recht haben könnten? Vielleicht nehmen Sie sich mit Ihrer Überzeugung einer körperlichen Ursache der Beschwerden und Ablehnung einer ursächlichen Behandlung im seelischen Bereich vielleicht im Moment selbst die Chance, gesund zu werden (diese Chance wird mit jedem Jahr der Nicht-Behandlung schlechter…)? Was haben Sie zu verlieren, was zu gewinnen, wenn Sie eine psychosomatische Behandlung machen?

cerlina hat folgendes geschrieben::
Als Arzt sollten Sie wissen, dass solche Ferndiagnosen weder erlaubt noch hilfreich sind.


Sie meinen sicherlich §7, Abs. (3) unserer Berufsordnung:

Ärztinnen und Ärzte dürfen individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, weder ausschließlich brieflich noch in Zeitungen oder Zeitschriften noch ausschließlich über Kommunikationsmedien oder Computerkommunikationsnetze durchführen.

Wo mache ich denn Meinung nach eine solche Beratung oder Behandlung?
Ferndiagnosen sind Ihrer Meinung nach also nicht hilfreich? Der Meinung bin ich auch. Umso erstaunlicher, welche abstrusen Ferndiagnosen hier im Forum von Laien gestellt werden und auf die sich die Hilfesuchenden dann hoffnungsvoll stürzen (wenn sich die Ratschläge nicht auf das Übliche „da würde ich mal zum Arzt gehen…“ beschränken).

Gruß von doc-in-not Winken
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jaeckel
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Anmeldungsdatum: 15.09.2004
Beiträge: 4583
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BeitragVerfasst am: 28.01.10, 16:27    Titel: Antworten mit Zitat

@PR. Ein Beitrag mit persönlichen Angriffen, die immer noch nicht erwünscht sind, habe ich entfernt. Also: Bitte zur Sache und nicht ad personam. Danke.
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Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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PR
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BeitragVerfasst am: 28.01.10, 21:39    Titel: Oooch so ein Miniangriffelchen, Antworten mit Zitat

aber nachdem hier wieder ein H.S. seine Duftmarken setzt, werd ich mich mal was mehr aufs Beobachten konzentrieren.

Gruß
PR
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jaeckel
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Anmeldungsdatum: 15.09.2004
Beiträge: 4583
Wohnort: Bad Nauheim

BeitragVerfasst am: 29.01.10, 08:52    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber PR, ich vertraue auf Ihre Kultiviertheit und dass Sie
Zitat:
man könnte auch die Idee haben, da hat einer [...] den Verstand verloren.

im realen Leben ebenso als mögliche Unhöflichkeit bewerten würden, die eskalierend wirken kann (und in diesem Fall hat -> Wunsch zur Accountlöschung). Gegen Härte in der Sache in einer akzeptablen Form hat keiner was. Und genau für so ein "Mini-Eingriffchen" sind wir Moderatoren schließlich da.Winken Also kein Grund "sich mehr aufs Beobachten" zu konzentrieren.
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Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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